Das heutige Ziel ist ein Highlight unserer Pilgerreise, die Schutzhütte St. Martin am Schneeberg. Sie liegt in einem ehemaligen Bergbaugebiet und ist auf 2355 m nur zu Fuß erreichbar. Wir hören von verschiedenen Seiten, dass auf der Schneebergscharte noch einiges an Schnee liegt. Auch von unten sind die Schneefelder sichtbar. Nach unserem Abendteuer von der Maurerscharte ist der Respekt groß. Die Rückmeldung der Hüttenwirtin es lieber nicht zu wagen erleichtert uns die Entscheidung und wir suchen nach einer Alternative.
Neben der Route von Maiern im Ridnauntal kann man die Hütte noch aus Moos in Passeier (unser Ziel für den Abstieg) und von der Timmelsjochstraße aus erreichen. Beides liegt allerdings auf der anderen Seite des Jaufenpasses, der mit dem ÖPNV nicht zu überqueren ist. Wir entscheiden uns schließlich für eine kombinierte Lösung: Bus nach Sterzing, Taxi nach St. Leonhard, Bus nach Moos, und noch ein Bus die Passstraße hoch.
Timmelsbrücke
Der junge Taxiunternehmer ist ein Experte für die Transportbedürfnisse gestrandeter Wanderer. Aufgrund des vielen Schnees, der im Mai noch gefallen ist, habe er gerade sehr viel zu tun. Aber auch Julian Nagelsmann habe er vor ein paar Wochen noch gefahren, als dieser in Südtirol in Urlaub war.
Er sagt, er müsse über Mittag noch ins Ötztal und könne uns ab Moos wieder mitnehmen. Dankbar nehmen wir den Vorschlag an und starten den Aufstieg zur Schneeberghütte ab der Timmelsbrücke. Von hier sollen es nur zweieinhalb Stunden sein. Im Sonnenschein laufen wir zunächst durch einen ruhigen, idyllischen Lärchenwald, dann über Wiesen und Weiden, bis wir schließlich das Bergbaugebiet erreichen.
Hier sieht man weitläufige Ruinen und Schienen zum Transport der Erze, die in den 1870er Jahre errichtet wurden. Nach einem knackigen Schlussanstieg bis zum Schutzhaus haben wir das Ziel erreicht und fühlen uns in der Hütte sehr wohl und aufgehoben.
Die karge Umgebung hier oben mutet wie eine Mondlandschaft an und ist fast ein wenig unwirklich. Früher lebte hier ein ganzes Dorf, die Arbeiter mit ihren Familien. Heute wird die Hütte in den Sommermonaten alle zwei Wochen von einem Hubschrauber versorgt.
Die Schutzhütte am Schneeberg
Drinnen aber ist es äußerst gemütlich und wir sind dankbar, dass um 18 Uhr ein leckeres Abendessen serviert wird - keine Restaurant-Suche, keine große Auswahl, sondern einfach etwas zu essen, großartig - und sehr lecker!
Nach einem sehr entspannten Abend mit einem anderen Wanderer, den wir bereits aus zwei Unterkünften kennen, geht's auf unser Doppelzimmer - das mit dem Matratzenlager heben wir uns nochmal für später auf.
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