Der Tag auf der Schneeberghütte startet mit einem sehr leckeren Frühstück im gemütlich geheizten Gastraum, während es draußen stürmt und in Strömen regnet.
Das Wasser wird uns heute noch auf vielfältige Art begleiten, auch wenn wir erstmal trocken in einer Regenpause aufbrechen und den Abstieg Richtung Moos beginnen. Der Weg bergab durch den Wald geht leichter als gedacht und wir erreichen nach ca. zwei Stunden die Timmelsjochstraße. Der Weg wird steiler und führt lange durch kniehohes Gras immer tiefer in die Passer-Schlucht. Zwar bleibt es von oben trocken, doch die Regenhosen müssen gegen das nasse Gras alles geben.
Kurz vor dem Bach kommen wir an einem Bildstöckl des Heiligen Romedius vorbei, ein optimaler Ort für eine kleine Mittagsrast. Wir tragen uns in das Pilgerbuch ein und lesen, dass die beiden anderen Pilger von Anfang der Woche gestern auch schon hier waren. Auch das ist eine Besonderheit des Pilgerns - die Verbundenheit mit denen, die den Weg schon vor uns gegangen sind, die sich auch auf den Weg gemacht haben, die Gewissheit, hier nicht alleine zu sein.
Das Bildstöckl markiert auch genau die Mitte des Pilgerwegs - 90 km haben wir bereits geschafft, 90 liegen noch vor uns.
Nach der Pause überqueren wir den Passer-Bach über eine kleine Brücke. Unter uns rauscht das Wasser mit einer gewaltigen Kraft nach unten, da muss ich trotz der wackeligen Brücke kurz stehen bleiben und staunen. Die Gebirgsbäche faszinieren uns immer wieder mit ihrer Energie.
Wir schlagen uns durch die Wiese noch ein wenig den Berg hoch und erreichen mit durchnässten Schuhen und Hosen Rabenstein. Von hier geht es auf den europäischen Fernwanderweg E5, den so viele auf ihrer Alpenüberquerung durchwandern. Heute bleibt dieser Abschnitt des E5 menschenleer und so gehen wir wieder zum Staunen über - neben uns rauscht die Passer weiter tosend ins Tal.
Gerade als wir überlegen, ob wir noch eine Pause einlegen sollten, taucht vor uns ein idyllisches Plätzchen auf. Neben einer Bank an einem grünblau funkelndem Weiher steht eine Kiste mit Zitronenlimonade und Radler. Gegen eine Spende in die Box genießen wir die kühle Limo in der warmen Nachmittagssonne.
Das offizielle Ziel dieser Etappe liegt eigentlich in Pfelders, wir haben uns allerdings entschieden, schon in Moos einen Stopp einzulegen, um bei Kräften zu bleiben. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft haut uns das Wasser im übertragenen Sinne nochmal um - wir laufen an dem Stieber Wasserfall vorbei, der vor uns ins Tal kracht - so gewaltig und unbändig. Unsere Gesichter sind von der Gischt ganz nass und es fühlt sich an, als würde sich etwas von der Energie des Wassers übertragen. Ich freue mich schon, wenn wir morgen hier nochmal vorbei laufen.
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